Eindrucksvolle Eröffnung der Ausstellung „Als das Blatt sich wendete“

Bernt Röder, Manuela Dörnenburg, Karl Lehmann (v.l.n.r)

Qelle: MAZ von 11.11.2011

BIRKENWERDER - „Wenn ich gewusst hätte, dass der Saal so voll ist, hätte ich mir doch eine schöne Rede ausgedacht“, meinte Ulrike Poppe. Die Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur war gern nach Birkenwerder gekommen. Sie ist in Hohen Neuendorf aufgewachsen und kann sich noch ans Baden im „schmutzigen Boddensee“ und Tanz in einem „privaten Schuppen“ erinnern. Mehr jedoch war sie neugierig auf die Ausstellung „Als das Blatt sich wendete. Der gesellschaftliche Aufbruch in Birkenwerder 1989/90“. „Es ist eine Ausstellung, in der Geschichte konkret wird“, sagte die ehemalige Bürgerrechtlerin anerkennend, denn der gesellschaftliche Aufbruch habe nicht nur in Leipzig, Dresden und Berlin stattgefunden. Überall habe es Menschen gegeben, die unter einer maroden Wirtschaft und vergifteten Gewässern leiden mussten und kein selbstbestimmtes Leben führen konnten, erinnerte sie. Die Politikerin hofft, dass die Ausstellung vor allem viele junge Besucher findet, denn wer nach der Wende groß geworden ist, für den sei die Freiheit selbstverständlich. Sie sollten erfahren, wie sich die Menschen vor 1989 gefühlt haben.

Die Ausstellung umfasst den Zeitraum von der letzten Kommunalwahl in der DDR und den ersten freien Wahlen nach der Wende und besteht aus 20 Tafeln. Sie widmet sich unter anderem den Themen Wirtschaft, Bildung, Gesundheit, Umweltschutz und den Sitzungen des Bürgerkomitees. Die Macher, zu denen federführend die Historiker Manuela Dörnenburg und Bernt Roder sowie der Grafiker Karl-Heinz Lehmann gehörten, haben an die 30 Interviews geführt. Die Bürger haben dabei ganz persönliche Einblicke in die bewegte Zeit des Umbruchs gewährt. „Vielleicht ist jetzt auch die Zeit gekommen, wo Menschen sich öffnen und entspannter über die damaligen Ereignisse sprechen können“, schätzt Manuela Dörnenburg ein. Sie und ihr Mann Bernt Roder hatten zur Ausstellungseröffnung ihre Kinder Hannah und Moritz mitgebracht. Diese hatten vor allem in den letzten Wochen oft auf Mama und Papa verzichten müssen, damit die Ausstellung bis zum denkwürdigen 9. November fertig wurde.

Dem gelungenen Auftakt in der Kirche mit Orgelspiel von Johanna Thöne sollen in den nächsten Wochen und Monaten vertiefende Veranstaltungen zu den einzelnen Themen folgen. Am Wochenende ist die komplette Ausstellung noch einmal in der Kirche zu sehen (jeweils von 11 bis 18 Uhr). Die Besucher sollten viel Zeit mitbringen: Es gibt viel zu lesen!

Norbert Hagen, Bürgermeister von Birkenwerder:

„Die Ausstellung ist eine Einladung an alle, sich mit den Wendejahren in unserer Gemeinde zu befassen. Gerade auch, weil so viele von uns einen ’Migrationshintergrund’, wenn auch häufig einen innerdeutschen, haben. Dank allen, die diese Ausstellung vorbereitet haben.“

Joachim-Christian Viebig, Gegenbauer Facility Management:

„Wenn das Blatt sich nicht gewendet hätte, wären wir heute nicht in Birkenwerder. 1994 hatte Gegenbauer hier gebaut, 1996 sind wir eingezogen. Wir sind dankbar, dass wir dieses Projekt mit einer Spende unterstützen konnten.“

Markus Priesterath, „Bündnis für Demokratie und Toleranz“:

„Herzlichen Glückwunsch zu dieser Ausstellung! Sie trägt dazu bei, Wissen lebendig zu halten und Wissen zu vermehren. Es ist wichtig, dass Menschen sich öffnen und dass man mit Menschen in Dialog kommt, wie hier eindrucksvoll geschehen.“ (Von Helga Gerth)


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