AUFBRUCH: Noch nicht erzählte Geschichten

Ausstellung „Als das Blatt sich wendete“ ist fertig / Eröffnung nächsten Mittwoch

BIRKENWERDER 3.11.2011 - Eigentlich hätte die Ausstellung schon längst fertig sein sollen. „Aber bei jeder Spur, der wir nachgegangen sind, taten sich neue Spuren auf“, begründete Eckard Uhlig die Verzögerung. „Wir hatten nicht geahnt, auf was wir uns da einlassen, zumal wir alles nebenher, also neben unserer Arbeit, getan haben.“ Sogar jetzt gibt es noch ein paar Lücken auf einigen Tafeln. Aber bis zum kommenden Mittwochabend zur Ausstellungseröffnung wird alles fertig sein.

„Als das Blatt sich wendete. Der gesellschaftliche Aufbruch in Birkenwerder 1989/90“ ist die Exposition überschrieben. Sie wird die ereignisreiche Zeit der letzten DDR-Kommunalwahl im Mai 1989 bis zur ersten freien Kommunalwahl nach der Wende im Mai 1990 beleuchten. Die Idee zu dieser Ausstellung war im Sommer 2009 entstanden, als sich auch in Birkenwerder in Vorbereitung auf den 20. Jahrestag des Mauerfalls Bürger zusammenfanden, um der Geschichte vor Ort auf den Grund zu gehen.

Bei Geschäftsmann Eckard Uhlig und Historiker Bernt Roder liefen die Fäden zusammen. Was folgte, waren umfangreiche Recherchen, bewegende Gespräche mit Betroffenen sowie Besuche und Anfragen in Archiven. „Wir wollen an die Akteure dieser Zeit erinnern und ihnen Stimme und Gesicht geben“, sagt Bernt Roder. So werden die Betrachter auf einem der Fotos Peter Staamann finden, der sich in eine Menschenkette eingereiht hatte, dem Neuen Forum angehörte und später stellvertretender Bürgermeister wurde. Das Schicksal der Arztfamilie Richter, die lebhafte Diskussion um die Schulen in Birkenwerder, der durch die Verklappung von Klinikabwässern hervorgerufene Umweltskandal oder Aufschwung und Niedergang des Möbelwerkes, zu DDR-Zeiten der größte Arbeitgeber im Ort, werden noch einmal ins Gedächtnis zurückgerufen. Oft verknüpft mit persönlichen Geschichten und deshalb eindrucksvoll und berührend.

„Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit“, betont Uhlig. Gezeigt wird nur eine Facette der Zeit des Umbruchs. Die Macher waren überrascht, was sie alles herausfinden konnten. Sie waren auf offene Ohren gestoßen. Ausgespart wurde die Position derjenigen, die damals Verantwortung getragen hatten, die Leiter von Betrieben, Schulen und Kliniken.

Im Zusammenhang mit der Diskussion im Land Brandenburg über die mangelnde Aufarbeitung der DDR-Zeit sehen die Birkenwerderaner Akteure ihre Ausstellung als Beitrag, Geschichte, die bislang nicht erzählt wurde, auf den Punkt zu bringen.

Bernd Gräber, den es vor 13 Jahren beruflich nach Birkenwerder verschlagen hatte, findet die Ausstellung „unglaublich spannend“. Nur wenn man wisse, was seinerzeit hier los war, könne man verstehen, wie Politik und Kultur funktionierten. (Von Helga Gerth)


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