Als das Blatt sich wendete

Ein Ausstellungsprojekt zum gesellschaftlichen Aufbruch in Birkenwerder 1989/90

Wie überall in der damaligen DDR erlebten auch die Bewohner Birkenwerders zwischen Herbst 1989 und Frühjahr 1990 im gesellschaftlichen und privaten Lebensumfeld umwälzende Veränderungen. Täglich erreichten die annähernd 6.000 Bewohner des Ortes in diesen Wochen und Monaten Nachrichten über den gesellschaftlichen Aufbruch in der DDR. Auch wenn Birkenwerder etwas abseits der Entwicklungen in Ostberlin lag, so verfolgten viele Bewohner die Ereignisse dort sehr aufmerksam. Wie heute pendelten viele von ihnen morgens zu den Arbeitsstellen und brachten abends ihre Eindrücke und Erlebnisschilderungen aus den Betrieben mit nach Hause. Auch in Birkenwerder spürten viele seit langem die gesellschaftliche Stagnation. Die Kluft zwischen der Propaganda der Staats-und Parteiführung und der Lebenswirklichkeit führte häufig zu Resignation, Ohnmacht und Wut. Versorgungsengpässe, Wohnraummangel, staatliche Gängelung und Bevormundung waren allgegenwärtig. Die offensichtliche Wahlfälschung der Kommunalwahlergebnisse vom Mai erschütterte vielfach nachhaltig den Glauben in das politische System.

Im Sommer 1989 begann auch aus Birkenwerder die Fluchtwelle Richtung Westen. Während zum 40. Jahrestag der DDR-Gründung die Staats- und Parteiführung die Parole „weiter so“ ausgab, gründete sich zeitgleich am 7. Oktober im nahe gelegenen Schwante illegal die Sozialdemokratische Partei (SDP). Zuvor kursierten auch in Birkenwerder bereits Unterschriftenlisten des Neuen Forums, in denen eine Demokratisierung gefordert wurde. Zu den wichtigsten Forderungen zählten u.a. die Pressefreiheit und Reisefreiheit.
Im Zuge der friedlichen Revolution fanden sich auch hier Menschen zusammen, diskutieren öffentlich die Probleme der bisherigen Lebenswirklichkeit und kontrollierten am Runden Tisch, der hier Bürgerkomitee hieß, die Entscheidungen der in Auflösung begriffenen, staatlichen und politischen Macht, dem Rat der Gemeinde.

Neben den Forderungen nach Freiheit und demokratischer Teilhabe beinhalteten die Diskussionen am Runden Tisch in Birkenwerder zugleich handfeste z.T. seit langem bekannte Probleme im Ort, wie z.B. die ökologische Belastung, der fehlende Arbeitsschutz sowie die alltägliche staatliche Kontrolle, Bevormundung und Bespitzelung.

Die Beschreibung des Lebensalltag, der Probleme in Folge von Planwirtschaft und Parteidiktatur bis zum Mauerfall und dem sich anschließenden, gesellschaftlichen Aufbruch in dem Jahr zwischen der letzten (gefälschten) und der ersten demokratischen Kommunalwahl von Mai 1989 bis Mai 1990 sind Gegenstand der geplanten Ausstellung. Diese Entwicklung soll für den Ort Birkenwerder exemplarisch dargestellt und durch vielfältige Quellen, darunter Fotos, Dokumente und Zeitzeugenaussagen illustriert und erläutert werden.


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